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EU-Cybersicherheitsstrategie
Überblick und Einordnung
Die EU-Cybersicherheitsstrategie bildet den zentralen politischen Rahmen für den Schutz von Bürgern, Unternehmen und staatlichen Institutionen vor Cyberbedrohungen. Ziel ist es, die Cyberresilienz der Europäischen Union systematisch zu stärken und sicherzustellen, dass digitale Technologien vertrauenswürdig, sicher und grundrechtskonform genutzt werden können.
Die Strategie wurde von der Europäischen Kommission gemeinsam mit der Hohen Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik vorgelegt und reagiert auf eine deutlich verschärfte Bedrohungslage durch zunehmende, hochentwickelte und grenzüberschreitende Cyberangriffe.
Warum eine EU-Cybersicherheitsstrategie notwendig ist
Die digitale Transformation von Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft hat die Angriffsfläche für Cyberbedrohungen erheblich vergrößert. Betroffen sind insbesondere:
- Kritische Infrastrukturen (z. B. Energie, Gesundheit, Verkehr)
- Wesentliche Dienstleistungen für Bevölkerung und Wirtschaft
- Vernetzte Produkte und Systeme in Industrie, Haushalten und Büros
- Digitale Liefer- und Wertschöpfungsketten
Cyberangriffe wirken zunehmend systemisch, überschreiten nationale Grenzen und können nicht mehr allein auf Ebene der Mitgliedstaaten bewältigt werden. Die EU-Cybersicherheitsstrategie adressiert diese strukturelle Herausforderung.
Zielsetzung der EU-Cybersicherheitsstrategie
Das übergeordnete Ziel der Strategie ist es, ein globales und offenes Internet zu sichern und gleichzeitig hohe Schutzstandards dort durchzusetzen, wo Risiken für Sicherheit, Wirtschaft und Grundrechte bestehen.
Kernziele sind:
- Stärkung der Cyberresilienz in der gesamten EU
- Förderung der technologischen Souveränität Europas
- Schutz von Grundrechten und demokratischen Werten
- Sicherstellung eines vertrauenswürdigen digitalen Binnenmarkts
Die drei strategischen Säulen der EU-Cybersicherheitsstrategie
Resilienz, technologische Souveränität und Führungsrolle
Diese Säule fokussiert sich auf den Schutz und die Widerstandsfähigkeit:
- wesentlicher Dienste (z. B. Krankenhäuser, Energienetze, Eisenbahnen),
- kritischer Infrastrukturen,
- vernetzter digitaler Produkte und Systeme.
Die EU verfolgt dabei den Anspruch, internationale Cybersicherheitsstandards aktiv mitzugestalten und als globaler Referenzrahmen zu wirken.
Operative Fähigkeiten zur Prävention, Abschreckung und Reaktion
Die Strategie zielt darauf ab, kollektive operative Fähigkeiten aufzubauen, um große Cybervorfälle frühzeitig zu erkennen und wirksam zu bewältigen. Zentrale Elemente sind:
- gemeinsames Lagebild (Situational Awareness),
- koordinierte Reaktions- und Wiederherstellungsmechanismen,
- enge Zusammenarbeit nationaler und europäischer Akteure.
Leitgedanke: Die EU soll im Krisenfall mehr sein als die Summe ihrer Mitgliedstaaten.
Zusammenarbeit für einen globalen und offenen Cyberspace
Die EU versteht Cybersicherheit ausdrücklich auch als außen- und sicherheitspolitisches Thema. Die Strategie betont daher:
- internationale Partnerschaften mit wertebasierten Staaten,
- Cyberdialoge und Cyberdiplomatie,
- Förderung von Stabilität, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten im digitalen Raum.
Instrumente zur Umsetzung der Strategie
Die EU-Cybersicherheitsstrategie wird über drei zentrale Instrumententypen umgesetzt:
- Regulatorische Initiativen (z. B. NIS2-Richtlinie, Cyber Resilience Act, Cybersecurity Act)
- Investitionen in Infrastruktur, Innovation, Kompetenzen und Kapazitäten
- Politische und operative Maßnahmen auf EU- und internationaler Ebene
Begleitet wird dies durch beispiellose Investitionen im Rahmen der mehrjährigen Finanzplanung, des Aufbauplans für Europa und der Digital-Decade-Agenda.
Einordnung im EU-Rechts- und Politikrahmen
Die EU-Cybersicherheitsstrategie ist kein unmittelbar verbindlicher Rechtsakt. Sie fungiert vielmehr als:
- strategische Leitlinie für Gesetzgebung und Aufsicht,
- Begründungs- und Auslegungskontext für nachgelagerte EU-Rechtsakte,
- Klammer zwischen Binnenmarkt-, Sicherheits-, Außen- und Verteidigungspolitik.
Sie ist eng verzahnt mit:
- der Strategie für eine Sicherheitsunion 2020–2025,
- dem Aufbauplan der EU,
- der Digitalen Dekade Europas.
Die EU-Cybersicherheitsstrategie markiert einen Paradigmenwechsel: Cybersicherheit wird nicht mehr als isolierte IT-Frage betrachtet, sondern als Kernbestandteil europäischer Souveränität, Sicherheit und wirtschaftlicher Stabilität.
Sie bildet das strategische Fundament für die heutige und künftige EU-Cybersicherheitsgesetzgebung und prägt maßgeblich die Erwartungen von Aufsichtsbehörden, Gesetzgebern und internationalen Partnern.
Quelle: https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/policies/cybersecurity-strategy